
Die Webseite zur genetischen Erschließung von Friedrich Hölderlins „Homburger Folioheft“ steht als Online-Angebot der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart zur Verfügung.
Mit seinen über 90 Seiten ist das ‚Homburger Folioheft‘ der größte und wichtigste Handschriften-Träger von Friedrich Hölderlins späten Texten. Das Heft umfasst Niederschriften, Überarbeitungen und Entwürfe aus der Zeit nach 1800. Bei seinen Eintragungen geht der Dichter so vor, dass er sie nicht nur, wie gewohnt, nacheinander (‚linear‘) festhält; vielfach schreibt er sie auch ‚raumdisponierendend‘ so auf, dass er zunächst einzelne Motive und Notate über verschiedene Seiten verteilt, um sie später miteinander zu verbinden und zu vervollständigen. Darüber hinaus enthalten die Seiten des Folioheftes versprengte Eintragungen, die dem Kontext der jeweiligen Seite fremd bleiben und sich nicht zuordnen lassen, so dass sie als eigenständig betrachtet werden müssen.
Um die handschriftlichen Eintragungen in dem Heft, die schwer zu entziffern sind, zu erschließen und in ihrer Genese transparent zu machen, hat Hans Gerhard Steimer eine ‚diachrone Darstellung‘ entwickelt: Seine digitale Edition ermöglicht es, die einzelnen Arbeitsschritte zu unterscheiden und in ihrer Abfolge nachzuvollziehen, wobei der Handschriftenzusammenhang im Original wie auch in einer Transkripition durch eine ‚diplomatische Umschrift‘ sichtbar gemacht wird. Derart wird der Text einer Seite in seinen Entstehungsschritten nachvollziehbar: Jede Arbeitsphase lässt sich einzeln und in ihren Zusammenhängen anzeigen, wobei diese zeitliche Bestimmbarkeit aber nur für je eine Seite gilt.
Die zusätzliche Analyse der verschiedenen Tinten, die Hölderlin einsetzt, ermöglicht es, auch die seitenübergreifenden Eintragungen und somit größere Textzusammenhänge in dem Heft zeitlich voneinander zu unterscheiden, zumindest die Niederschriften in Nürtingen von denen in Bad Homburg. Die ‚diachrone Darstellung‘ wie auch die ergänzende Analyse der Tinten stellt die Hölderlinforschung auf eine neue Basis.
Die A und A Kulturstiftung finanzierte von 2017 bis 2020 die Erarbeitung der Website, 2025 auch die Integration der Ergebnisse der Tintenanalyse. Die inhaltliche und konzeptionelle Verantwortung und Umsetzung liegt bei Dr. Hans Gerhard Steimer, Oldendorf/Luhe. Technik und Gestaltung besorgt Konstantin Klatt, Berlin.
Die Webseite zur genetischen Erschließung von Friedrich Hölderlins „Homburger Folioheft“ steht als Online-Angebot der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart zur Verfügung.
Mit seinen über 90 Seiten ist das ‚Homburger Folioheft‘ der größte und wichtigste Handschriften-Träger von Friedrich Hölderlins späten Texten. Das Heft umfasst Niederschriften, Überarbeitungen und Entwürfe aus der Zeit nach 1800. Bei seinen Eintragungen geht der Dichter so vor, dass er sie nicht nur, wie gewohnt, nacheinander (‚linear‘) festhält; vielfach schreibt er sie auch ‚raumdisponierendend‘ so auf, dass er zunächst einzelne Motive und Notate über verschiedene Seiten verteilt, um sie später miteinander zu verbinden und zu vervollständigen. Darüber hinaus enthalten die Seiten des Folioheftes versprengte Eintragungen, die dem Kontext der jeweiligen Seite fremd bleiben und sich nicht zuordnen lassen, so dass sie als eigenständig betrachtet werden müssen.
Um die handschriftlichen Eintragungen in dem Heft, die schwer zu entziffern sind, zu erschließen und in ihrer Genese transparent zu machen, hat Hans Gerhard Steimer eine ‚diachrone Darstellung‘ entwickelt: Seine digitale Edition ermöglicht es, die einzelnen Arbeitsschritte zu unterscheiden und in ihrer Abfolge nachzuvollziehen, wobei der Handschriftenzusammenhang im Original wie auch in einer Transkripition durch eine ‚diplomatische Umschrift‘ sichtbar gemacht wird. Derart wird der Text einer Seite in seinen Entstehungsschritten nachvollziehbar: Jede Arbeitsphase lässt sich einzeln und in ihren Zusammenhängen anzeigen, wobei diese zeitliche Bestimmbarkeit aber nur für je eine Seite gilt.
Die zusätzliche Analyse der verschiedenen Tinten, die Hölderlin einsetzt, ermöglicht es, auch die seitenübergreifenden Eintragungen und somit größere Textzusammenhänge in dem Heft zeitlich voneinander zu unterscheiden, zumindest die Niederschriften in Nürtingen von denen in Bad Homburg. Die ‚diachrone Darstellung‘ wie auch die ergänzende Analyse der Tinten stellt die Hölderlinforschung auf eine neue Basis.
Die A und A Kulturstiftung finanzierte von 2017 bis 2020 die Erarbeitung der Website, 2025 auch die Integration der Ergebnisse der Tintenanalyse. Die inhaltliche und konzeptionelle Verantwortung und Umsetzung liegt bei Dr. Hans Gerhard Steimer, Oldendorf/Luhe. Technik und Gestaltung besorgt Konstantin Klatt, Berlin.